Das Matterhorn - Mythen, Mut und Legenden

Martin Blatter 5 min Lesezeit
Climb
Matterhorn in Morgendämmerung mit Lichter.

160 Jahre ist es nun her, als der letzte der bekannten 4’000er um Zermatt erstbestiegen wurde. Zwischen Triumph und Katastrophe lagen am 14. Juli 1865 nur 20 Minuten. Faszination Matterhorn - tauche ein in die Welt seiner Geschichten und ihren Protagonisten.

Warum überhaupt Gipfel besteigen?

Die einheimische Bevölkerung im 18. Jahrhundert lebte ein Dasein als Bauern und war sehr gläubig. Man sah keinen Grund, einen Gipfel zu erklimmen, da man im Sommer genug zu tun hatte. Und was würde einen dort oben erwarten? Geister und Dämonen!, so der weitverbreitete Glaube. Diese Berge waren somit eher Bedrohung, auch durch Lawinen, Steinschläge und Erdrutsche, als begehrte Ziele. 

Nachdem sich aber dann die ersten Naturforscher aus der Region in die Höhe wagten, begannen auch Engländer, Gipfel zu begehen und ebneten somit den Weg für den sportlichen Alpinismus...

Der Berg der Berge - Erstbesteigung und Geschichten

Allmählich wurde ein 4’000er nach dem anderen erstbegangen - als einer der letzten wartete das anspruchsvolle “Hore”. Am 13. Juli 1865 nahm eine 7-er Seilschaft den alles entscheidenden Anlauf. Mit den Einheimischen Peter Taugwalder Vater & Sohn und Michel Croz aus Chamonix als Bergführer und den Engländern Edward Whymper, Lord Francis Douglas, Reverend Charles Hudson und Douglas Hadow standen am 14. Juli 1865 nachmittags um 13:40 die ersten Menschen auf dem Gipfel: Welch ein Triumph! Auch über die Konkurrenten Jean-Antoine Carrel und Jean-Baptiste Bich, welche den Versuch von der italienischen Seite aus wagten und den Gipfel am 17. Juli erreichten.

Über die Tragödie, die nur zwanzig Minuten nach dem Gipfelerfolg geschah, ist bereits viel berichtet worden - mögen alle in Frieden ruhen.

 

Weitere Helden-Geschichten sollen nicht unerzählt bleiben:

Die Engländerin Lucy Walker stand 1871 mit 31 Jahren als erste Frau auf dem Matterhorn. Sie meisterte den Aufstieg in einem langen Rock, begleitet von ihrem Bergführer Melchior Anderegg. Ihr Gipfelerfolg sorgte damals für weltweite Schlagzeilen und gilt als Meilenstein in der Geschichte des Frauen-Bergsteigens.

 

Ulrich Inderbinen: Der Zermatter Bergführer bestieg das Matterhorn noch im 90sten Lebensjahr. Er war mit Abstand der älteste Matterhornbesteiger und wurde 103 Jahre alt. In seiner beeindruckenden Karriere stand er über 370 Mal auf dem Gipfel. Trotz Ruhm blieb er bescheiden und fuhr noch mit 95 Jahren täglich mit dem Velo ins Dorf. Inderbinen gilt bis heute als Sinnbild für Ausdauer, Demut und echte Zermatter Bergkompetenz.

 

Richard Andenmatten, ebenfalls Bergführer aus Zermatt, hält den Rekord in der Anzahl der Matterhorn-Besteigungen. Er war rund 900 Mal auf dem Gipfel - öfter als jeder andere. Über Jahrzehnte begleitete er Gäste aus aller Welt auf den ikonischen Berg, bei Wind, Wetter und Schnee. Seine Erfahrung am Matterhorn ist einzigartig, jede Seillänge kannte er im Schlaf. Der Gipfel war für ihn nicht Ziel, sondern täglicher Arbeitsplatz und Lebensaufgabe zugleich.

Toni Valeruz aus Canazei wagte 1975 das Unvorstellbare: Er fuhr als erster mit Skiern die Ostwand des Matterhorns hinunter. Der Start lag auf 4’200 m.ü.M, rund 250 Meter unterhalb des Gipfels, da der oberste Teil überhängend und damit nicht befahrbar ist. Die Ostwand ist extrem steil, stellenweise über 60 Grad, und gilt als eine der gefährlichsten Abfahrten der Alpen. Valeruz meisterte sie mit Präzision, Mut und aussergewöhnlichem Können.

 

Der Schnellste auf der Strecke Kirchplatz Zermatt – Matterhorn Gipfel und zurück ist der ZERMATTERS Bergführer Andreas Steindl: 3h59’52’’. Eine unglaubliche Leistung, wenn man bedenkt, dass viele Bergsteiger:innen allein für den Aufstieg von der Hörnlihütte zum Gipfel rund vier Stunden benötigen. Steindl kombiniert alpine Erfahrung mit Ausdauer auf Weltklasse-Niveau. Ein echter Ausnahmesportler aus Zermatt.

 

1950 sorgte ein schwarzweisses Kätzchen für Aufsehen: Das nur etwa 10 Monate alte Tier kletterte eigenständig von der Hörnlihütte bis zum Gipfel des Matterhorns. Ein Aufstieg von über 1’200 Höhenmetern auf über 4’400 m. Die Katze gehörte dem Koch des Berghotels Belvédère, der heutigen Hörnlihütte. Ihr Aufstieg wurde von Bergführern beobachtet, die sie später sicher im Rucksack mit ins Tal nahmen. Das Kätzchen wurde zur kleinen Berühmtheit und zum wohl ungewöhnlichsten Gipfelstürmer des Matterhorns. Im Wolli Wonderland wird die Geschichte dieser ganz besonderen Katze ebenfalls aufgenommen.

 

Quelle: «Das Matterhorn und seine Bergführer» von Hermann Biner

Entdecke das historische Zermatt mit seinen Bergführern

Hier taucht man in die Bergwelt vergangener Jahrhunderte ein: Man sieht, wie die Einwohner von Zermatt im 19. Jahrhundert lebten und erschaudert beim Anblick des gerissenen Seils der Matterhorn-Erstbesteigung von 1865. Damals kamen vier von sieben Bergsteigern ums Leben. Und man staunt beim Anblick von "Theo". Das ist der "Söldner" aus dem 16. Jahrhundert, der den Übergang über den Theodulpass nicht schaffte.

Matterhorn Museum - Zermatlantis | Zermatt

 

 

Entdecke die Hörnlihütte am Fusse des Matterhorns mit einem Wanderleiter/einer Wanderleiterin oder Bergführer/einer Bergführerin der ZERMATTERS und erlebe die Faszination Matterhorn hautnah. Die Hörnlihütte wurde 1880 auf 3'260 m Höhe errichtet und diente seither als Basislager für Matterhorn-Besteigungen. Nach mehreren Umbauten bietet sie heute Platz für 150 Gäste und verfügt über moderne Annehmlichkeiten. Von der Terrasse der Hörnlihütte aus bietet sich ein unvergleichlicher Blick auf das Matterhorn. Mit einem Fernglas kann man sogar Bergsteiger beobachten, die sich in den frühen Morgenstunden auf den Weg zum Gipfel machen 

Wanderung zur Hörnlihütte - Am Fusse des Matterhorns

 

 

Auf den Gipfel

Ein begehrtes Ziel für erfahrene Alpinist:innen ist die Besteigung des Matterhorns. Die Tour zählt zu den bekanntesten hochalpinen Besteigungen und erfordert neben sehr guter Kondition auch alpine Erfahrung und eine sorgfältige Vorbereitung. Bei stabiler Wetterlage ist der Anstieg über den Hörnligrat in den Sommermonaten möglich und wird in der Regel gemeinsam mit einem zertifizierten lokalen Bergführer unternommen. Für viele gilt diese Besteigung als Höhepunkt ihrer alpinen Laufbahn – ein eindrucksvolles Erlebnis inmitten der imposanten Hochgebirgslandschaft rund um Zermatt.