Die Bergretter von Zermatt

Valentin 5 min Lesezeit
Das Rettungsteam am Lagginhorn mit den ZERMATTERS Bergführern Helmut Lerjen (erster v.l.), Thomas Zumtaugwald (zweiter v.l.), Richard Lehner (dritter v.l.) und Emanuel Julen (zweiter v.r.) (©Air Zermatt)

Du hast dich schon immer gefragt, wie der Rettungsdienst in Zermatt organisiert ist und welche Tipps unsere ZERMATTERS Bergführer:innen auf Lager haben für eine sichere Bergtour? Erfahre mehr dazu im Interview mit dem ZERMATTERS Bergführer und Bergretter Helmut Lerjen.

Das Rettungsteam in Zermatt und die Rettung am Lagginhorn (4’010m)

Zermatt ist mit seinen zahlreichen 4000ern bei Alpinisten beliebt. Hohe Gipfel, beeindruckende Gletscher und abwechslungsreiche Routen machen zu einem Paradies. Doch nicht immer läuft alles nach Plan: Unerwartete Situationen, Wetterumschwünge und Erschöpfung können Alpinisten schnell in Gefahr bringen. Die Air Zermatt ist hierbei bekannt für ihre unzähligen Rettungen. Doch wie funktioniert eine Bergrettung in Realität? Die Air Zermatt arbeitet hierfür eng mit den Bergführern von ZERMATTERS zusammen - bei Tag und Nacht hat einer der Bergführer den Pikettdienst und ist zu jeder Zeit für einen Einsatz abrufbereit.

Folgende 15 ZERMATTERS Bergführer sind Rettungsspezialisten der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO): Anjan Truffer (Rettungschef), André Imboden, Emanuel Julen, Fabian Mooser, Helmut Lerjen, Klaus Tscherrig, Michael Lauber, Patrice Biner, Reinhard Zeiter, Richard Lehner, Robert Andenmatten, Samuel Anthamatten, Simon Anthamatten, Thomas Grichting, Thomas Zumtaugwald und Yann Dupertuis.

Bei einem Einsatz wird der ZERMATTERS Bergführer als Bergretter und Experte im Berggebiet eingesetzt, um Alpinisten in Not zu retten. So geschah es auch Mitte Juli 2025 am Lagginhorn, wobei die ZERMATTERS Bergführer und Rettungsspezialisten Emanuel Julen, Richard Lehner, Thomas Zumtaugwald und Helmut Lerjen mit der Air Zermatt und weiteren Rettungsspezialisten vor Ort waren: “Zwei Alpinisten alarmierten kurz vor 21:00 Uhr die Einsatzzentrale”, erzählt Helmut Lerjen (gen. Helmi). Sie steckten kurz unterhalb vom Lagginhorn fest. Die Verhältnisse waren katastrophal: Dunkelheit, dichter Nebel, stürmischer Westwind und Schneefall herrschten. Helmi erinnert sich an die zwei Alpinisten: “Beide waren komplett erschöpft und einer war zudem noch schneeblind. Einer der Alpinisten hatte nur noch eine Körpertemparatur von 24° C und musste reanimiert werden”. Vom Einsatz selbst gibt es nur ein Bild - dieses zeigt die Verhältnisse am Berg.

Meine Vorfahren waren alle schon Bergführer und Bergretter. Mich faszinierten schon als kleines Kind die Geschichten rund um das Bergführer- und Rettungswesen”, erzählt Helmi über seinen Werdegang. Nun führt er Gäste und rettet Menschen in Not seit über 25 Jahren - schon in der 4. Generation. Für Helmut Lerjen bedeutet das Leidenschaft. Diese Leidenschaft bietet aber nicht nur schöne Touren mit Gästen, sondern eben auch schwierige Rettungen und Bergungen: “Ich habe an vielen terrestrischen Rettungen und Leichenbergungen, sei es in der Nacht oder am Tag, teilgenommen. Leichenbergungen gehören im Rettungswesen auch dazu. An die Schicksale der Verunfallten und an die Bilder, der oft schrecklich zugerichteten Abgestürzten, gewöhnt man sich nie wirklich”, erzählt Helmut, “es ist aber leider eine Arbeit, welche gemacht werden muss”.

Die Auszeichnung der Stiftung Carnegie

Die aussergewöhnliche Rettung am Lagginhorn wurde erst vor kurzem von der Stiftung Carnegie mit der Lebensretter-Medaille ausgezeichnet. Die Stiftung Carnegie zeichnet Menschen aus, die unter Gefahr für das eigene Leben oder die eigene Gesundheit andere Menschen retten. Die Auszeichnung ging dabei an das gesamte Team, welches an der Rettung beteiligt war. Für Helmi ist klar: “Jede Rettung in den Bergen funktioniert nur als Team. Jeder kann sich in unserem Team blind auf den anderen verlassen”. Über zehn Stunden lang arbeiteten die Retter unter schwierigsten Bedingungen die ganze Nacht, um die Alpinisten zu retten. 

Mehr zur Rettung am Lagginhorn und der Ehrung liest du in der Medienmitteilung der Air Zermatt.

Unsere Empfehlung: Hör in den Alpha Zulu Podcast herein für mehr spannende Gespräche und Geschichten der Air Zermatt!

Sicherheit in den Bergen

Selbst erfahrene Alpinisten können in schwierige Situationen geraten. Oft sind es vermeintlich kleine Dinge, welche unterschätzt werden. So spitzen sich Situationen in einer Verkettung zu: der Himmel deckt sich in der Ferne leicht zu, die Route ist schwieriger als gedacht, aber man will das Ziel erreichen und Hilfe zu holen kommt nicht in Frage, da man ähnliche Touren auch schon geschafft hat - und auf einmal steckt man fest. Solche Fehleinschätzungen können verheerende Folgen haben, daher ist Helmuts goldene Regel “früh starten und zur Mittagszeit zurück sein”, etwas, was jeder Alpinist beachten sollte. Wer merkt, dass es zeitlich nicht reicht, sollte lieber zu früh, als zu spät umdrehen. Wer merkt, dass sich die Situationen verschlechtert und die Zeit davonläuft, sollte lieber zu früh als zu spät die Rettung alarmieren. Der Abbruch einer Tour oder das Alarmieren des Rettungsdienstes ist keine Schwäche, im Gegenteil: Es zeugt von Verantwortungsbewusstsein.

Genau darum sind Alpinisten auf die Erfahrung, das Wissen und die Einschätzungen von lokalen Bergführern angewiesen. Die ZERMATTERS Bergführer sind genau für solche Situationen ausgebildet und können so die nötige Sicherheit auf eine Tour mitbringen. Genau darum führen Bergführer ihren Beruf mit Leidenschaft aus: Um Gäste sicher in die einzigartige Bergwelt zu begleiten, Fachwissen und Kenntnisse zu vermitteln und Erlebnisse zu erschaffen, welche ein Leben lang in Erinnerung bleiben.

Die 38 Viertausender in und um Zermatt

Dass Zermatt ein beliebtes Bergsteigerzentrum ist, ist bekannt. Doch die sorgfältige Auswahl der passenden Tour kann anstrengend sein, denn Zermatt zählt 38 Viertausender auf seinem Gemeindegebiet - weitere Viertausender sind in unmittelbarer Nähe. Abseits der bekannten Touren zum Matterhorn, dem Breithorn und den Zwillingen sowie ins Monte Rosa Massiv gibt es viele weitere Touren, welche oft bei der Recherche untergehen: Das Rimpfischhorn ist eine lange und abwechslungsreiche Felstour, welche unter den ZERMATTERS Bergführern als beste Vorbereitung für das Matterhorn gilt, aufgrund der Ähnlichkeit im Felsen. Für Alpinisten, welche sich auf Schnee und Eis wohler fühlen, bietet der Alphubel eine spannende Zweitagestour, leicht ausserhalb von Zermatt. Für hochambitionierte Bergsteiger ist der Rotgrat am Alphubel eine neue Challenge, um den Berg dennoch als Felstour zu erleben!

Es muss auch nicht immer ein Viertausender sein, denn viele Gipfel- oder Klettertouren in Zermatt sind auch unter der bekannten 4000er-Marke einmalig, abwechslungsreich und unvergesslich. Darunter zählt das Riffelhorn zu der beliebtesten reinen Klettertour und das Gorge Abenteuer als dynamischer Klettersteig als echtes Highlight in Zermatt.

Wie läuft das Buchen einer Tour ab?

Dein Interesse ist geweckt, aber du hast noch Fragen oder findest deine Wunschtour auf der Webseite nicht?

1. Kontaktaufnahme
Per E-Mail oder Telefon steht dir die ZERMATTERS Homebase gerne zur Verfügung und plant mit dir deine Tour.

2. Vermittlung
Sobald die Tour mit allen wichtigen Details (Hüttenübernachtung, Anreise, Material, etc.) reserviert ist, wird dir ein ZERMATTERS Bergführer zugewiesen.

3. Treffpunkt und Tour
Am Tag deiner Tour triffst du deinen ZERMATTERS Bergführer am vereinbarten Treffpunkt und erlebst deine Bergtour, so wie du es dir vorstellst!

4. Verabschiedung und Rückkehr
Nach der Tour wirst du sicherlich Lust auf mehr haben. Vergiss nicht deine Tour zu bewerten und plane deinen nächsten Aufenthalt. Frage deinen Bergführer oder deine Bergführerin nach Empfehlungen zur nächsten Tour (jede:r Bergführer:in hat eine Lieblingstour - vielleicht ist diese genau für dich!).

Du bist erfahrener Alpinist und suchst die nächste grosse Herausforderung? Das Täschhorn ist Helmi's Hausberg und gehört zu den abwechlungsreichsten Touren in den Walliser Alpen. Lies mehr darüber und erlebe deine Täschhorn-Besteigung mit deinem ZERMATTERS Bergführer!

Steckbrief

Helmut Lerjen, 08.02.1973, ist in Täsch aufgewachsen und ZERMATTERS Bergführer und Bergretter. Seine Leidenschaft führt er nun in der 4. Generation und seit über 25 Jahren aus und begeistert so Gäste aus der ganzen Welt. Als Genossenschafter bei ZERMATTERS ist “Helmi”, wie er genannt wird, ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens und bringt sein Fachwissen und seine Kompetenzen mit auf spannende Touren - immer mit dabei: ein herzliches Lachen und einzigartige Geschichten, welche nur er kennt!

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