Geschichte Bergführerwesen in Zermatt
Vom botanischen Bergführer zur Outdoor-Genossenschaft - wie Zermatt das Alpinwesen prägte und den Grundstein für die heutige Bergkultur legte

Offenbar begann das Bergführerwesen in Zermatt um 1830 - Johann Biner bezeichnete sich 1832 als “erster botanischen Bergführer von Zermatt”. Um 1850 kamen immer mehr Touristen nach Zermatt und schon bald bestiegen die Engländer mit ihren Zermatter Bergführern viele der grossen Viertausender rund um Zermatt. Bis die ersten Hütten gebaut wurden, galt das Hotel Riffelberg (1854) als Ausgangsort für die meisten Touren zwischen Strahlhorn und Matterhorn.
Mit der Gründung des “The Alpine Club” 1857, welcher noch heute grosse Bedeutung zum Bergsteigen weltweit hat, läuteten die britischen Pioniere den Start des goldenen Zeitalters des Alpinismus ein. Zugleich wurde im Jahr 1858 die erste “Zermatter” Führergesellschaft gegründet, bestehend aus 13 Bergführern “erster Klasse” und 21 Bergführern aus “zweiter Klasse”. Mit der Gründung wurde der Beruf des Bergführers gesetzlich geregelt - Mindestalter 18 Jahre und ein "guter Leumund”, also einen guten Ruf sowie das Führen eines Führerbuches war erforderlich, sobald die Arbeit aufgenommen wurde. Zugleich wurden die Tarife geregelt. So kostete eine Tour auf das Mettelhorn CHF 8.00 und die Besteigung der Monte Rosa CHF 50.00. Die Tarife und die Arbeitsverteilung führten zu vielen Diskussionen, weshalb dieser Verein bereits 1860 aufgelöst wurde.
Das Matterhorn war bis zu dieser Zeit einer der letzten Gipfel, welcher noch nicht bestiegen wurde - auch das sollte sich 1865 ändern. Die tragische Geschichte zur Erstbesteigung des Matterhorns, bei welcher 4 der 7 Erstbesteiger ums Leben kamen, ist weltweit bekannt und in vielen Büchern und Texten verewigt - so auch im Matterhorn Museum in Zermatt. Mit dabei: die zwei Zermatter Bergführer Peter Taugwalder Vater und Sohn, welche lebend vom Berg zurückkehrten.

Als der Staatsrat 1870 den Führerdienst neu reglementierte, kam es wohl zu der Gründung eines neuen Vereins im gesamten Tal. Die Existenz dieser Gesellschaft wird 1873 im Führerbuch von Peter Knubel erwähnt. 1888 entstand während dem Bergführerfest eine Fotografie von nur rund 30 Zermatter Führern - das Foto ist somit Zeuge des Vereins und unsere Geburtsstunde.
ZERMATTERS - Outdoor Experience since 1888

Der damalige Verein wurde 1898 durch den noch heute bestehenden Bergführerverein Zermatt abgelöst, da im Mattertal zu viele Bergführer tätig wurden und man sich somit dazu entschied, sich wieder aufzuteilen. Seitdem erfuhr das Bergführerwesen grosse Veränderungen und Fortschritte: Jedes Jahr am ersten Sonntag des Oktobers findet das Bergführerfest statt, seit 1863 gibt es eine Einheitskleidung für alle Walliser Bergführer, die Techniken und Sicherheitsvorkehrungen wurden verbessert und alle Bergführer besuchen regelmässige Aus- und Weiterbildungen.
Die Vermittlung der Bergführer ist seit 1961 durch das Bergführerbüro in der Bahnhofstrasse geregelt. Selbst hier war die gerechte Verteilung der Arbeit stetige Diskussion - 1965 beschloss man das Verteilen in einem Turnus-System. 2007 wurde der Betrieb des Bergführerbüros von der Genossenschaft Alpincenter Zermatt übernommen und professionalisiert.
Im Jahr 2012 beschloss man nach über 100 Jahren wieder mit dem Bergführerverein St. Niklaus zu fusionieren - über 100 Bergführer aus dem Mattertal sind somit wieder vereint. Seit 2019 ist Denis Gruber Präsident des Bergführervereins.





